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Forschung in der Linguistik/Sprachdidaktik

 

Der Einfluss von Instruktion auf den Erwerb und die Verwendung des Dritte Person Singular -s in der Zweitsprache Englisch

Dissertationsprojekt von Kerstin Chlubek

Ausgehend von psycholinguistischen Theorien zum L2-Erwerb stellt sich insbesondere für den Englischunterricht in der Schule die Frage, was Grammatikinstruktion eigentlich leisten kann. Curriculare Anforderungen sind dabei häufig nicht in Einklang mit Erkenntnissen aus der Spracherwerbsforschung, sodass Lehrkräfte davon ausgehen müssen, dass nicht alles, was instruiert wird, auch tatsächlich von Lerner*innen verarbeitet und entsprechend erworben werden kann. Studien zum Zusammenhang von Instruktion und Sprachentwicklung lassen den Schluss zu, dass auch durch Unterricht natürliche Entwicklungsmuster nicht verändert werden können. Häufig mangelt es diesen Studien allerdings an einer genauen Beschreibung und Definition dessen, was mit Instruktion konkret gemeint ist.

Durch das hier vorgestellte Dissertationsprojekt wurde diese Limitation aufgegriffen; um konkretere Aussagen über den Einfluss von Instruktion treffen zu können, wurden zwei verschiedene Instruktionsarten für die Einführung des Dritte Person Singular -s gewählt: Eingebettet in eine Task erhielt eine Gruppe von Lerner*innen metalinguistische Regelbeschreibungen; in einer anderen Gruppe wurde den Lerner*innen ausschließlich Input bereitgestellt, der das grammatische Phänomen enthielt. Die Auswertung der Daten ergab, dass keine(r) der Schüler*innen das Phänomen nach der Instruktion erworben hatte. Bezüglich der Verwendung des Dritte Person Singular -s ließen sich allerdings Vorteile für die Lerner*innen der inputbasierten Gruppe erkennen, da das Phänomen nach der Instruktion häufiger in der Lernersprache auftrat. Die Beobachtung, dass Lerner*innen durch entsprechenden Input in der Lage sind, Einheiten in ihre Lernersprache zu übernehmen, kann als erster Schritt hin zu einem Kompromiss zwischen Erkenntnissen aus Spracherwerbstheorien einerseits und Anforderungen an den Englischunterricht andererseits verstanden werden.

 

Attrition and the Irish language

An exploration of the Savings Paradigm with respect to lexical item knowledge

PhD project, Eimear Geary

When an individual acquires a second or more languages, this invariably has repercussions for the inner workings of the linguistic system and the co-existence of these languages, with increased use of one language influencing availability of the other. Language attrition is considered a process whereby knowledge (partly or completely) of a particular language once known is lost or “forgotten” over time. Explorations of attrition attempt to gain a more comprehensive insight into linguistic representations in the brain and to understand what supports the consolidation of information so that language knowledge is retained, even after long periods of language disuse. It also asks if seemingly forgotten knowledge is in fact still intact and, should this be the case, what conditions need to be in place for this information to be reactivated.  

The present PhD study explores whether or not second language (L2) lexical knowledge acquired in childhood and puberty has been completely erased after a prolonged period of inactivity or whether it has merely become inaccessible, i.e., whether residual levels of knowledge of the language are still present and available and through re-exposure can be reactivated. The L2 in question is Irish, a language that is learned throughout one’s entire period of school education in the Republic of Ireland. Moreover, the present study also investigates claims made in research on language attrition with respect to the role played by extra-linguistic factors in the attrition process and how these may account for variation in performance across participants. These include proficiency at the time of onset of attrition, age at the start of learning as well as age at the onset of attrition, context of acquiring or learning the language, and attitude and motivation.

 

Automatisierte Worterkennung im Englischunterricht der Primarstufe.

Onset-, Reim- und Ganzwortebene als mögliche Zugänge zur Schriftsprache im frühen Englischunterricht

Dissertationsprojekt von Pia Holtappels

Seit der Einführung des Englischunterrichts in den Grundschulen im Schuljahr 2003/2004 wird auch die Rolle der fremdsprachlichen Schriftsprache diskutiert. Während die Forschung mittlerweile bestätigt, dass die Schriftsprache im frühen Fremdsprachenunterricht einbezogen werden sollte, ist die Frage danach, wie dies geschehen soll, kaum geklärt. Viele gängige Lehrwerke greifen die Ganzwortmethode auf, erste Forschungsergebnisse deuten aber auch auf einen Vorteil bewusstmachender Verfahren hin, durch die orthographische Muster explizit thematisiert werden.

Das hier genannte Dissertationsprojekt leistet einen Beitrag zu der Frage nach einer geeigneten Vorgehensweise. Zum einen wird die Ganzwortmethode in Kombination mit Übungen zur Automatisierung und zum Ausbau des lexikalischen Eintrags in den Blick genommen. Zum anderen wird auch die (orthographische) Einheit Reim als explizit fokussierte Einheit betrachtet, da sie in der englischen Orthographie regelmäßiger scheint, als die Ebene der Laut-Buchstaben-Beziehungen. Beide Zugänge zeigen Vorteile gegenüber einem unfokussierten Anbieten der Schrift und bringen somit großes Potenzial für den Einsatz im frühen Englischunterricht sowie interessante Ansätze für die weitere Forschung mit sich.

 

Lese-Rechtschreibschwierigkeiten im Englischunterricht

Dissertationsprojekt von Seyma Polat

Lese-Rechtschreibstörungen (LRS) oder mindestens aber Lese-Rechtschreibschwierigkeiten zählen zu den am weitesten verbreiteten Lernstörungen an deutschen Schulen. Da sprachübergreifende kognitive Verarbeitungsmechanismen bereits beim Schriftspracherwerb der Erstsprache (L1) zu spezifischen Schwierigkeiten führen, kann davon ausgegangen werden, dass auch der Erwerb fremdsprachlicher Schriftsprachkompetenzen eine große Herausforderung für diese Lernenden darstellt. Auch wenn die kommunikative Kompetenz das vordergründige Ziel des Fremdsprachenunterrichts (FSU) darstellt, sind das Lesen und Schreiben integrale Bestandteile des FSU. Bislang fehlen jedoch systematische, unterrichtsbezogene Förderkonzepte, die die besonderen Bedürfnisse dieser Lernenden im Englischunterricht berücksichtigen. Im Kontext der Inklusion möchte ich mit meinem Dissertationsprojekt einen Beitrag zur Entwicklung eines unterrichtsbezogenen Förderkonzeptes für den Englischunterricht leisten, das leistungsheterogene Schüler*innen in den gemeinsamen unterrichtlichen Schriftspracherwerbsprozess einschließt.

 

Forschung in der Literatur- und Kulturwissenschaft/Literatur- und Kulturdidaktik

 

"Zukunft der Bildung" – Gendervielfalt in der Englischlehrer*innenausbildung (working title)

Dissertationsprojekt von Sina Derichsweiler

Unter dem Schlagwort Inklusion sammeln sich gegenwärtig öffentliche Debatten über die Vielfalt im Klassenzimmer. Politiker*innen, Lehrkräfte, Eltern sowie Schüler*innen thematisieren neben dem individuellen Förderbedarf auch geschlechtliche Vielfalt. Schließlich ist das „[aktive] Herstellen von geschlechterbezogener Chancengleichheit“ (Zweites Gleichberechtigungsgesetz 1994, 1406) bereits seit 1994 als Staatsziel im Grundgesetz verankert und die seitdem verfolgte Aufwertung der Prinzipien Gleichberechtigung und Gleichstellung haben diese zu einem bildungspolitischen Imperativ gemacht. Der aktuelle Forschungsdiskurs zeigt jedoch deutlich, dass in der Lehrer*innenbildung bisherige methodische Konzepte sowohl der ‚Genderkompetenz‘ als auch der ‚Gender-Reflexion‘ nicht zufriedenstellend zum „aktiven Herstellen von geschlechterbezogener Chancengleichheit“ (Zweites Gleichberechtigungsgesetz 1994, 1406) beigetragen haben. In meiner Arbeit gehe ich von zwei problematischen Befunden aus: Erstens steht der politischen Forderung nach Inklusion und Vielfalt im Klassenzimmer keine methodische Grundlagenausbildung für Lehrer*innen gegenüber. Zweitens beschränken sich kurzfristige Projekte oder Workshops zum Thema auf die traditionelle binäre Geschlechtszuschreibung und ignorieren die pädagogischen Herausforderungen, mit geschlechtlicher Vielfalt umzugehen. Ausgehend von dieser Beobachtung entwirft mein Dissertationsprojekt ein anwendungsorientiertes pädagogisches Methodentableau für die Lehrer*innenbildung im Fachbereich Englisch und plädiert für die Relevanz der geschlechtlichen Vielfalt im schulischen und universitären Curriculum.

 

Bildung für nachhaltige Entwicklung im Englischunterricht – Literaturdidaktische Überlegungen zu Werten und Handlungen in der Primar- und Sekundarstufe

Dissertationsprojekt von Svenja Rosenau

Im Zuge der durch die UNESCO ratifizierten „Agenda 2030“ haben Akteur*innen im Bildungswesen den Auftrag erhalten nachhaltigkeitsbezogene Themen und Kompetenzen in den Didaktiken aller zu inkludieren und zu implementieren. Theoretisch fundierte Auseinandersetzungen über die Verknüpfung der Didaktiken mit dem Bildungskonzept der „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (BNE) existieren jedoch bislang lediglich in Ansätzen. Aus diesem Grunde fungiert meine Dissertation als theoretische Aufarbeitung einer Verknüpfung des BNE-Konzepts mit literaturdidaktischen Konzepten aus der Fremdsprachendidaktik für den Englischunterricht. Im Zuge dieser Aufarbeitung vertrete ich die Hypothese, dass im Besonderen geisteswissenschaftliche Zugänge zu nachhaltigkeitsbezogenen Themen im Englischunterricht aufgegriffen werden sollten, da sie z.B. Mehrdeutigkeitstoleranz oder auch Diskursfähigkeiten fördern können. Gleichzeitig ermöglichen literarische Texte eine Reflektion und Aushandlung darüber inwiefern kulturelle Phänomene unsere Werte determinieren, inwiefern diese Werte unsere Handlungen beeinflussen und über welche Handlungsspielräume Individuen verfügen, wenn sie auf lokaler Ebene ein globales Problem (z.B. die globale Umweltkrise) lösen müssen.

 

„Stell Dich dem Fremden“ – Wie Aushandlungsprozesse angeregt werden können durch die Inszenierung von Fremdheitserfahrungen im Englischunterricht

Dissertationsprojekt von Mareike Tödter

Das Promotionsvorhaben widmet sich der Untersuchung von Fremdheitserfahrungen und deren Aushandlungen im Englischunterricht. Ziel ist es, theoretisch und empirisch erste Inszenierungsprinzipien für Fremdheitserfahrungen herauszuarbeiten.

Ausgehend von der derzeitigen gesellschaftlichen Relevanz des Fremden hinterfragt das Promotionsvorhaben zunächst die Beschaffenheit von ‚Fremdheit‘ als konstitutives Konzept der Sprachdidaktik. Das Promotionsvorhaben entwickelt anschließend mit Hilfe eines transdisziplinären Zugangs eine Konzeption des Phänomens, welche an bestehende Konzepte von Fremdheit in der Englischdidaktik anschließt, diese aber hinsichtlich aktueller Forderungen nach der Förderung von (Ambiguitäts-)Toleranz und der Vermeidung von Stereotypisierungen weiterdenkt. Fremdheit wird dabei begriffen als subjektive Erfahrung der Irritation, welche Denk- und Aushandlungsprozesse anregen kann. Durch einen so erweiterten Begriff könnte die Englischdidaktik vermeiden, selbst Fremdzuschreibungen vorzunehmen. Die Forschungsfrage des Projekts schließt sich an diese begrifflichen Ausarbeitungen an: Wie können Fremdheitserfahrungen im Englischunterricht so inszeniert werden, dass Aushandlungsprozesse entstehen? Als Beantwortung der Frage entwickelt das Projekt Inszenierungsprinzipien (in Anlehnung an Design-Based-Research-Ansätze), die in einem Modell zusammengeführt werden. Die Herausarbeitung relevanter Prinzipien stützt sich auf die Analyse konzeptioneller und empirischer Arbeiten aus der Sprachdidaktik, der Analyse (sozial-)psychologischer Studien zur Verarbeitung von Unsicherheit und auf das durch Expert*inneninterviews erhobene Erfahrungswissen von Lehrkräften.